Gebrauchszenario

Ziel
Das Gebrauchsszenario wird genutzt um Abläufe im Produktgebrauch zu analysieren und Schwachstellen aufzudecken. Es beleuchtet die Interaktionen zwischen Mensch und Produkt und ist ein wichtiges Werkzeug zur Erarbeitung von Teilproblemen.

Voraussetzungen
Bevor das Gebrauchsszenario erstellt wird, sollten die Benutzergruppen beispielsweise durch Personas definiert sein, um auf unterschiedliche Nutzungsszenarien eingehen zu können. Das Gebrauchsszenario kann sowohl für Neuentwicklungen als auch auf Basis von bestehenden Produkten durchgeführt werden.

Erklärung
Das Gebrauchsszenario ist die Beschreibung des Gebrauchs eines Produktes in Form eines Ablaufdiagramms. Darin werden alle Aktionen und Entscheidungen in einer bestimmten Handlungssituation Schritt für Schritt durchdacht und beschrieben. Es dient als Werkzeug, um zu Beginn einer Neu- oder Weiterentwicklung die Handlungs- und Bedienabläufe eines Produktes zu analysieren und verstehen zu können. So können schon frühzeitig potentielle Teilprobleme und wichtige Entwicklungspunkte in der Mensch-Produkt-Interaktion erkannt werden.  

Vorgehen
Zunächst wird der gesamte Gebrauch eines Produktes in Unterkategorien eingeteilt (z. B. Inbetriebnahme, Wartung). In diesen Kategorien werden die einzelnen Aktionen detailliert beschrieben. Der Grad der Feingliedrigkeit ist dabei nicht vorgegeben, sondern sinnvoll anzupassen. Es ist Hilfreich am Anfang oder am Ende des Prozesses mit der Modellierung anzufangen und danach Schritt für Schritt die Aktionen und Entscheidungen darzustellen.
Wichtig ist, dass man sich nicht bereits bei der Erstellung des Ablaufdiagramms auf eine bestimmte Form oder Funktion festlegt (z. B. ist „Inbetriebnahme durch Hebel“ zu detailliert, da die Funktion auch durch einen Schalter realisiert werden könnte). Die Schritte sollten also so allgemein und ergebnisoffen wie möglich formuliert sein.
Für eine effektive Kommunikation ist die einheitliche Verwendung von Symbolen entscheidend. Prozesse werden in ein Rechteck geschrieben, wohingegen Entscheidungen durch eine Raute dargestellt werden. Entscheidungen haben immer zwei Ausgänge (Ja und Nein), Prozesse nur einen. Pfeilverbindungen zwischen den Elementen zeigen den Gebrauchsablauf.

Tipps
Besonders bei Neuentwicklungen besteht eine Unsicherheit über dem zukünftigen Gebrauch eines Produktes. Hier kann der Blick zu Produkten helfen, die ähnliche Gebrauchsprozesse haben.
Für das Entwerfen eines Produkts, das mehrere Zwecke erfüllen kann, müssen mehrere Gebrauchsszenarien entworfen werden. Hier können nach dem Entwurfsprinzip Schritte, die sich in unterschiedlichen Szenarien wiederholen und immer neu als Grundbaustein abgerufen werden.
Da der Gebrauch in einem Benutzungskontext steht, kann es hilfreich sein, sich eine bestimmte Situation des Benutzers zu verbildlichen. User Stories oder Story Boards können hier unterstützend sein.

Literatur
Vajna, S. (Hrsg.): Integrated Design Engineering. 1. Auflage, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2014
SEARS, A. (Hrsg.) (Wünsch); JACKO, J.A (Hrsg.): The Human-Computer Interaction Handbook: Fundamentals, Evolving Technologies and Emerging Applica-tions, Second Edition (Human Factors and Ergonomics): CRC Press, 2002

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