Normenrecherche

Ziel
Durch eine Normenrecherche werden konkrete Informationen auf den Gebieten Produktsicherheit, Arbeitsorganisation, Gestaltung, Usability und Informationsvermittlung eingeholt, wie die allgemein formulierten Forderungen aus Gesetzen oder EG-Richtlinien in der Praxis umzusetzen sind [3].

Voraussetzungen
Normen werden gewerblich erworben. Die Dokumente sind kostenintensiv, sodass ein ausreichendes Budget einzuplanen ist. Alternativ gibt es für Studenten Auslegestellen zur kostenfreien Einsicht an Hochschulen.

Erklärung
Normen sind in den meisten Fällen internationalen (ISO/ IEC) oder europäischen (EN ISO), in selteneren Fällen auch nationalen (DIN EN ISO) Ursprungs [1]. Ihre Umsetzung bei der Produktentwicklung ist freiwillig, solange nicht gegen einzuhaltende Gesetze oder Richtlinien verstoßen wird. Sogenannte harmonisierte Normen, werden offiziell im Auftrag der EU erarbeitet. Mit ihnen geht eine Konformitätsvermutung einher: Von Produkten, die einer harmonisierten Norm entsprechen, wird angenommen, dass sie den allgemeinen Anforderungen genügen. Ihre Einhaltung stellt ein positives Indiz für die Produktentwicklung dar [3]. Normen sind kein Dogma – vielmehr sollten Inhalt und Absicht verstanden und auf den eigenen Fall sinnvoll übertragen werden [1].

Vorgehen
Die Ausgangsfragen müssen geklärt werden: Was ist zu überprüfen? Wer ist die Zielgruppe des Produktes? Welche Tätigkeiten darf diese ausführen [1]? Mittels diverser Recherchemöglichkeiten wird nach Regelwerken gesucht: unternehmensinterne Experten, Auslegestellen an Hochschulen oder Datenbanken. An Auslegestellen ist eine kostenfreie Einsichtnahme möglich. Online müssen Normen zunächst kostenpflichtig erworben werden, ohne Sicherheit, dass sie im speziellen Fall relevant sind [1]. Für detaillierte Informationen zur Recherche ist [2] einzusehen. Bei der Sichtung einer Norm kann in „Anwendungsbereich“ oder „Definition“ nachgelesen werden, ob Produkt, Zielgruppe und Tätigkeiten mit dem eigenen Fall übereinstimmen und somit die Relevanz gegeben ist. Unter „Normative Verweise“ wird auf weitere, relevante Normen hingewiesen [1].

Grenzen und Alternativen
Bei Normen herrschen strenge Copyright-Bestimmungen, sodass das Zitieren und ihre Vervielfältigung nahezu ausgeschlossen sind [3]. Ihre Einhaltung ist keine rechtliche Absicherung für die Produktsicherheit. Normen behandeln lediglich Teilaspekte, die in einer Produktentwicklung berücksichtig werden sollten, jedoch selten zu 100% auf den vorliegenden Anwendungsfall passen. Ihr Inhalt ist stets zu hinterfragen, da auch veraltete oder fehlerhafte Informationen enthalten sein könnten [3]. Es zeigt sich, dass die Normenrecherche in der Produktentwicklung häufig zu geringe Beachtung findet, da sie zeitintensiv ist und anderen Haupttätigkeiten Vorrang gewährt wird [3]. Grundsätzlich ist der Erwerb von Normen teuer. Eine etwas kostengünstigere Alternative sind DIN-Taschenbücher [1].

Literaturverzeichnis
[1] Dyczka, Jan: NORM 3: Einführung in die Normenarbeit, Normenrecherche und den tekom-Normenkommentar. URL https://conferences.tekom.de/fileadmin/tx_doccon/slides/424_Einf_hrung_in_die_Normenarbeit_Normenrecherche_und_den_tekom_Normenkommentar.pdf – Überprüfungsdatum 2019-01-03
[2] Hertel, Lothar ; Oberbichler, Brigitte ; Trescher, Daniela: Technische Regeln systematisch recherchieren. 1. Aufl. s.l. : Beuth Verlag GmbH, 2012 (Beuth Praxis)
[3] Kothes, Lars: Grundlagen der Technischen Dokumentation : Anleitungen verständlich und normgerecht erstellen. Berlin, Heidelberg : Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2011 (VDI-Buch)

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