User Observation

Ziel
User Observations helfen ein Designproblem zu verstehen bzw. ein bestehendes Konzept zu optimieren. Herausgefunden wird, wie die Zielgruppe in einer bestimmten Situation handelt und was ein gutes Produkt in diesem Kontext ausmacht [5]. 

Voraussetzungen
Es sind mindestens fünf repräsentative Testpersonen auszuwählen. Gute Kenntnisse über die Zielgruppe müssen dafür erworben werden (siehe Fokusgruppe). Ein ausreichend ausgereifter Prototyp sowie ein großes Zeitbudget sind für die Durchführung notwendig [2]. 

Erklärung
Bei der User Observation interagiert der Proband mit einem Prototypen, indem er mehrere Aufgabenstellungen löst. Ein Moderator dient als Ansprechperson. Im besten Fall wird die Testperson zusätzlich von einem Analysten und einem Beobachter observiert und gefilmt [2]. Unerwartete Situationen sowie beeinflussende Variablen und Zusammenhänge in der Produktnutzung werden dadurch aufgedeckt. Infolgedessen kann die Mensch-Produkt-Kommunikation verbessert werden [5]. Man unterscheidet zwei Arten: Die kontrollierte Beobachtung im Laborumfeld, die häufig zur Erhebung quantitativer Daten genutzt wird und die lebensnahe Beobachtung im alltäglichen Umfeld des Probanden zur Generierung qualitativer Daten [4]. Die Methode ist in der frühen bis mittleren Produktentwicklungsphase anzuwenden, um Änderungen rechtzeitig umzusetzen [2].

Vorgehen
Die Rahmenbedingungen sind festzulegen: Welche Testpersonen und Produktfeatures sollen beobachtet werden? Für die Probandengruppe wird eine Anzahl von mindestens fünf empfohlen. Bei der Auswahl nutzbringender Produktfeatures hilft die Fachliteratur. Die ausgewählten Merkmale werden dann mit Aufgabenstellungen verknüpft. Ggf. sind Performance Measurements festzulegen [2, 5]. Zur Vorbereitung der Session wird die Technik installiert sowie Dokumente und Checklisten aufgesetzt [5]. Ein Pre-Testing des Aufgabenszenarios kann potentielle Komplikationen aufdecken [2]. Die Durchführung ist auf 60 bis 90 min zu begrenzen. Maximal fünf Produktfeatures oder –featurecluster sind zu testen [2]. In der Nachbereitung werden die Videos und Daten analysiert. Um Funktionalitäts- und Präsentationsprobleme des Produkts herauszuarbeiten, müssen die Ergebnisse diskutiert werden [2]. 

Grenzen und Alternativen
Die User Observations sind frühzeitig einzuplanen. Einerseits aufgrund des hohen Zeitaufwands, andererseits da in der Endphase einer Produktentwicklung notwendige Änderungen nur bedingt umsetzbar sind. Die Methode ist keinesfalls als finaler Check zu verstehen, sondern als Feedback während der Produktentwicklung [2]. Es ist außerdem möglich, dass die Testpersonen durch den Fakt, dass sie unter Beobachtung sind, in ihrem Handeln beeinflusst werden. Da die Testpersonen i. d. R. nicht verbal kommunizieren, kann es bei der Ergebnisanalyse im Nachhinein zu Verständnisproblemen kommen, warum der Proband genauso gehandelt hat. Daher sollte ein zweites Medium (z. B. Interview) hinzugezogen werden. Alternativ kann die Think-Aloud-Methode angewendet werden [5].

Literaturverzeichnis
[1] Hoegh, Rune Th. ; Nielsen, Christian M. ; Overgaard, Michael ; Pedersen, Michael B. ; Stage, Jan: The Impact of Usability Reports and User Test Observations on Developers' Understanding of Usability Data: An Exploratory Study. In: International Journal of Human-Computer Interaction 21 (2006), Nr. 2, S. 173–196
[2] Kuniavsky, Mike: Observing the user experience : A practitioner's guide. San Francisco : Morgan Kaufmann, 2003
[3] Nick Fox, Nigel Mathers, Amanda Hunn: Trent Focus for Research and Development in Primary Health Care : Using Interviews in a Research Project. URL http://web.simmons.edu/~tang2/courses/CUAcourses/lsc745/sp06/Interviews.pdf
[4] The Interaction Design Foundation: How to Conduct User Observations. URL https://www.interaction-design.org/literature/article/how-to-conduct-user-observations – Überprüfungsdatum 2018-10-30
[5] van Boeijen, Annemiek (Hrsg.); Daalhiuzen, Jaap (Hrsg.); Zijlstra, Jelle (Hrsg.); van der Schoor, Roo (Hrsg.): Delft design guide : Design methods. Revised 2nd edition. Amsterdam : BIS Publishers, 2014

 

 

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