Thinking Aloud

 

Ziel
Wie erlebt der Kunde das Produkt? Bei der Think-Aloud-Methode werden detaillierte, subjektive Einblicke in die Produktnutzung gewonnen. Daraus lassen sich neue Erkenntnisse über die weitere Optimierung der Lösung ableiten [2,3].

Voraussetzungen
Repräsentative Testpersonen mit entsprechender Fachkompetenz zur Erfüllung der Aufgabe und guten Verbalisierungsfähigkeiten sind anzuwerben [3]. Neben der Unterstützung von Psychologen für die Durchführung und Datenauswertung bedarf es materieller und räumlicher Voraussetzungen [2].

Erklärung
Das Think Aloud testet unter realitätsnahen Bedingungen die Usability einer Lösung. Es wird aufgezeigt, was die Nutzer während des Gebrauchs tun und warum sie entsprechend handeln. Dadurch werden Elemente am Produkt herausgestellt, die Probleme bereiten und somit zu verbessern sind [2]. Die Testpersonen werden aufgefordert, handlungsbegleitend (concurrent) zu einer gestellten Aufgabe laut mitzudenken. Alternativ kann der Proband auch handlungsnachbereitend (retrospective) über seine Aktionen berichten [1]. Das Laut-Denken ist für viele Personen ungewohnt und sollte daher vor der tatsächlichen Datenerhebung anhand einer alltäglichen Situationen geübt werden [2]. Bestenfalls ist die Durchführung zu filmen, alternativ können auch Audioaufnahmen oder Notizen gemacht werden [2,3].

Vorgehen
Eine reproduzierbare Aufgabe für den Gebrauch des Produktes muss formuliert werden. Diese sollte störende Effekte beim Handeln und Laut-Denken minimieren. Anschließend sind die Testpersonen zu bestimmen und der Testraum angenehm herzurichten. Es folgt eine Einweisung des Probanden, in der die Aufgabenstellung erklärt wird. Ggf. ist ein Warm-Up zum Laut-Denken abzuhalten [2]. Während der Durchführung ist der Experimentator im Hintergrund [3]. Er greift keinesfalls ein, sondern animiert höchstens zum Reden. Seine Aufgabe ist es, unerwartete Reaktionen ausfindig zu machen. Fragen der Testperson werden mit Gegenfragen beantwortet [2]. Die Video- oder Audioaufzeichnungen werden anschließend transkribiert. Für die finale Auswertung können psychologische Modelle zum Verständnis der Situationen beitragen [3].

Grenzen und Alternativen
Das Think-Aloud ist zeitintensiv in seiner Vor- und Nachbereitung. Um den Aufwand zu minimieren, kann eine Kombination mit anderen Methoden hilfreich sein. Die Durchführung ist nur begrenzt mit Experten realisierbar, da diese häufig im Affekt handeln und die Handlungsgründe nicht verbalisieren können [3]. Es wurde nachgewiesen,  dass das Laut-Denken die Resultate in puncto Schnelligkeit und Problemlösungsverhalten beeinflusst. Auch die bewusste Beobachtung des Probanden kann eine Verfälschung hervorrufen, wenn dieser versucht eine Erwartungshaltung zu erfüllen [2]. In aktuellen Anwendungen wird die Think-Aloud-Methode auch unternehmensintern für die Umwandlung von implizitem in explizites Wissen genutzt [1].

Literaturverzeichnis
[1] Dietrich von der Oelsnitz, Michael W. Busch: Die Think-Aloud-Methode. In: Die Betriebswirtschaft (2008), Nr. 68, S. 260–265
[2] Nielsen, Jakob: Usability engineering. Amsterdam : Morgan Kaufmann, 2009, 1993
[3] van Someren, Maarten W. ; Barnard, Yvonne F. ; Sandberg, J.: The think aloud method : A practical guide to modelling cognitive processes. London, San Diego : Academic Press, 1994 (Knowledge-based systems)

 

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